Mit eigenen Gedichten sowie Gedichten von Ilya Kaminsky in der Übersetzung aus dem Englischen von Anja Kampmann
Zur Rezension in der Süddeutschen Zeitung
Zur ausführlichen und schönen Besprechung von Lesezeichen Mannheim
Wie lässt es sich erzählen, dieses großes Gebilde Europa? Anja Kampmann begann mit der Arbeit am European Archive of voices. Unter den Bedingungen des Ukraine-Krieges seit Ende Februar 2022 veränderte sich ihre Perspektive auf das Archiv. Aufhören oder Weiterarbeiten? Frühe Erinnerungen der Interviewten, ihre Schilderungen von Kriegsausbrüchen und Bombennächte warfen mit einem Mal ein Licht auf unsere Gegenwart. Kampmann verwebt diese Stimmen aus dem Archiv mit Gedichten des aus der Ukraine stammenden Dichters Ilya Kaminsky über eine fiktive Stadt im Kriegszustand, die sie im Winter vor dem Kriegseinbruch aus dem Englischen übersetzte, sowie mit eigenen Gedichten, die ihre früheren Reisen in die Ukraine spiegeln.
Das Hörspiel ist der Versuch einer poetischen Reflexion, eine Radioarbeit, die Genre und Gattungsunterschiede aufhebt. Im Hörspiel sind die Erzählebenen und Stimmen akustisch getrennt wahrzunehmen. Anderseits ist das Stück so angelegt, dass es Aufmerksamkeit einfordert: denn die Stimmen und Erzählebenen verlassen häufig ihre klare Zuordnung, überkreuzen sich, um in ein Gespräch miteinander einzutreten. Sie erschaffen dann ein in verschiedenen Ebenen überlagerndes Bild von Hoffnungen und Ängsten, Dokumentarischem und Fiktionalem, synchronen und diachronen Geschichten und Biografien, die mit dem ‚Haus Europa‘ verbunden sind. Und von der Arbeit Zeugnis abgeben, sich ihm mit den Mitteln der Kunst zu nähern, an ihm weiterzubauen …
Mit: Barbara Nüsse, Katja Bürkle, Friedhelm Ptok
Stimmen im Originalton aus dem „European Archiv of Voices“
Einrichtung und Regie: Ulrich Lampen
Ton und Technik: Manfred Seiler und Philipp Stein